Ich, Marlene – 11.10.02,

Musikalische Komödie – Oper Leipzig

(von LadyKrolock)

 

 

Hm. Was war das denn? Eine Mischung aus Vilsmaiers Film „Marlene“ und Maximilian Schell’s Dokumentation über Marlene Dietrich – teilweise sogar wörtlich übernommen. Am Anfang noch Handlung, im zweiten Akt eher Aneinanderreihung verschiedener Lieder, die die Dietrich im Laufe ihrer Karriere gesungen hat.

 

Sicherlich ist das Verkörpern einer Legende keine einfache Aufgabe, weswegen man mit der Hauptdarstellerin Petra Constanza nicht zu hart ins Gericht gehen sollte. Souverän stellt sie die junge Marlene wie auch die alternde Diva dar, durch Gestik und Mimik wird der Alterungsprozess der Dietrich sehr wohl glaubwürdig dargestellt.

 

Hier allerdings versagt die Maske, denn das ältliche Verhalten Marlenes am Schluss steht in keiner Relation zu ihrem noch jugendlichen Aussehen. Und auch wenn die echte Marlene durch zahlreiche Operationen versuchte, an ihrer Jugendlichkeit fest zu halten, gelang ihr das keineswegs vollkommen, und so hätte auch das Altern der Protagonistin des Stücks durchaus durch das passende Make up untermalt werden können.

 

Petra Constanza als Marlene gibt sich alle Mühe, auch den Tonfall der Legende zu übernehmen. Dies gelingt ihr mal mehr, mal weniger gut, aber immer klingt es gekünstelt. Hieraus darf man ihr wohl auch keinen Vorwurf machen, denn bei der echten Marlene war es wohl nicht anders. Trotzdem fing diese dunkle und rauchige Stimme mit der Zeit direkt an zu nerven, besonders als sie Petra Constanza im zweiten Akt dazu überging, auch den Großteil ihrer Lieder eher zu sprechen. Schade, denn durch die gekünstelt rauchig verstellte Stimme von Petra Constanza konnte durchaus ein großartiges Stimmvolumen besonders in der Tiefe herausgehört werden – schade, dass es nicht so oft zum Einsatz kam. Berührend war hingegen ihre Darbietung des Lieds „Lili Marleen“, bei dem sie ganz allein in Soldatenuniform auf der Bühne stand und a cappella sang. Auch das Lied „Wenn die beste Freundin“, das sie zusammen mit Angela Mehling alias Margo sang brachte dank der pfiffigen Choreographie Stimmung ins Publikum.

 

Im Großen und Ganzen ist es wohl eine unheimlich schwierige Aufgabe, eine solch gekünstelte und zurecht gemachte Person wie die Legende Marlene Dietrich authentisch und trotzdem glaubwürdig darzustellen, denn wer weiß schon, ob die Dietrich zu ihrer Zeit selbst immer glaubwürdig auftrat?

 

Auflockerung bietem Stück und Zuschauer das „Trio“, drei Männer die im Stil der Comedian Harmonists die Handlung mal ergänzen, mal verbinden, mal erklären. Dies gelingt den Darstellern Gerald Michel, Rainer Koschorz und Jörg Westerkamp scheinbar mühelos, und so sind sie die eigentlichen „Helden“ des Abends.

 

Unterstützt wird das Ensemble durch das Ballett der Musikalischen Komödie, dass die Choreografien zwar ausgezeichnet beherrscht, in den Massenszenen aber eher den Eindruck einer aufgescheuchten Horde Statisten macht.

 

Alles in Allem ist diese Inszenierung wohl weniger ein Musical als eine Marlene-Revue, die jedoch von ihrem Publikum mit jeder Menge Applaus belohnt wurde. Die Künstler ihrerseits bedankten sich bei dem Publikum mit drei Vorhängen und zwei Zugaben, wobei deutlich auffiel, dass Petra Constanza bis zum allerletzten Vorhang in ihrer Rolle blieb und sich auch am Ende ganz a la Marlene-Dietrich-Manier bei ihrem Publkum für den Applaus bedankte. Schade, denn eigentlich galt dieser Applaus den Künstlern, nicht den Figuren, die sie verkörperten.

 

Es ist zwar nachvollziehbar, dass man aus einer solch kompakten Rolle nicht einfach „herausfallen“ kann, doch wenn es ein Uwe Kröger schafft, am Ende einer Vorstellung vom Tod zum routinierten Musicaldarsteller zu werden, wenn Kevin Tarte sich trotz Vampir-Make up und Grafenkostüm lächelnd vor seinem Publikum verbeugen kann, dann sollte es auch eine Marlene an der Musikalischen Komödie in Leipzig schaffen, irgendwann nicht mehr Marlene zu sein!