(von LadyKrolock)
Hm. Was war das denn? Eine Mischung aus Vilsmaiers Film „Marlene“ und Maximilian Schell’s Dokumentation über Marlene Dietrich – teilweise sogar wörtlich übernommen. Am Anfang noch Handlung, im zweiten Akt eher Aneinanderreihung verschiedener Lieder, die die Dietrich im Laufe ihrer Karriere gesungen hat.
Sicherlich ist das Verkörpern einer Legende keine
einfache Aufgabe, weswegen man mit der Hauptdarstellerin Petra Constanza nicht
zu hart ins Gericht gehen sollte. Souverän stellt sie die junge Marlene wie
auch die alternde Diva dar, durch Gestik und Mimik wird der Alterungsprozess
der Dietrich sehr wohl glaubwürdig dargestellt.
Hier allerdings versagt die Maske, denn das ältliche
Verhalten Marlenes am Schluss steht in keiner Relation zu ihrem noch
jugendlichen Aussehen. Und auch wenn die echte Marlene durch zahlreiche
Operationen versuchte, an ihrer Jugendlichkeit fest zu halten, gelang ihr das
keineswegs vollkommen, und so hätte auch das Altern der Protagonistin des
Stücks durchaus durch das passende Make up untermalt werden können.
Petra Constanza als Marlene gibt sich alle Mühe, auch den Tonfall der Legende zu übernehmen. Dies gelingt ihr mal mehr, mal weniger gut, aber immer klingt es gekünstelt. Hieraus darf man ihr wohl auch keinen Vorwurf machen, denn bei der echten Marlene war es wohl nicht anders. Trotzdem fing diese dunkle und rauchige Stimme mit der Zeit direkt an zu nerven, besonders als sie Petra Constanza im zweiten Akt dazu überging, auch den Großteil ihrer Lieder eher zu sprechen. Schade, denn durch die gekünstelt rauchig verstellte Stimme von Petra Constanza konnte durchaus ein großartiges Stimmvolumen besonders in der Tiefe herausgehört werden – schade, dass es nicht so oft zum Einsatz kam. Berührend war hingegen ihre Darbietung des Lieds „Lili Marleen“, bei dem sie ganz allein in Soldatenuniform auf der Bühne stand und a cappella sang. Auch das Lied „Wenn die beste Freundin“, das sie zusammen mit Angela Mehling alias Margo sang brachte dank der pfiffigen Choreographie Stimmung ins Publikum.
Im Großen und Ganzen ist es wohl eine unheimlich
schwierige Aufgabe, eine solch gekünstelte und zurecht gemachte Person wie die
Legende Marlene Dietrich authentisch und trotzdem glaubwürdig darzustellen,
denn wer weiß schon, ob die Dietrich zu ihrer Zeit selbst immer glaubwürdig
auftrat?
Auflockerung bietem Stück und Zuschauer das „Trio“, drei
Männer die im Stil der Comedian Harmonists die Handlung mal ergänzen, mal
verbinden, mal erklären. Dies gelingt den Darstellern Gerald Michel, Rainer
Koschorz und Jörg Westerkamp scheinbar mühelos, und so sind sie die
eigentlichen „Helden“ des Abends.
Unterstützt wird das Ensemble durch das Ballett der
Musikalischen Komödie, dass die Choreografien zwar ausgezeichnet beherrscht, in
den Massenszenen aber eher den Eindruck einer aufgescheuchten Horde Statisten
macht.
Alles in Allem ist diese Inszenierung wohl weniger
ein Musical als eine Marlene-Revue, die jedoch von ihrem Publikum mit jeder
Menge Applaus belohnt wurde. Die Künstler ihrerseits bedankten sich bei dem
Publikum mit drei Vorhängen und zwei Zugaben, wobei deutlich auffiel, dass
Petra Constanza bis zum allerletzten Vorhang in ihrer Rolle blieb und sich auch
am Ende ganz a la Marlene-Dietrich-Manier bei ihrem Publkum für den Applaus
bedankte. Schade, denn eigentlich galt dieser Applaus den Künstlern, nicht den
Figuren, die sie verkörperten.
Es ist zwar nachvollziehbar, dass man aus einer solch
kompakten Rolle nicht einfach „herausfallen“ kann, doch wenn es ein Uwe Kröger
schafft, am Ende einer Vorstellung vom Tod zum routinierten Musicaldarsteller
zu werden, wenn Kevin Tarte sich trotz Vampir-Make up und Grafenkostüm lächelnd
vor seinem Publikum verbeugen kann, dann sollte es auch eine Marlene an der
Musikalischen Komödie in Leipzig schaffen, irgendwann nicht mehr Marlene zu
sein!