Hamburg im Juli 2003 Titanic

 

Autorin : Diaemus Youngi

 

 

Hamburg Alster8:00 Uhr, Hamburg, wieder mal Regen“...welcher fernsehverwöhnte und werbegeplagte Bundesbürger kennt diesen Satz nicht? Aber...halt....stop, hier ist was falsch! Zum einen ist es nicht 8:00 Uhr, sondern bestimmt schon 8:30 Uhr und zum anderen gibt es von Regen seit Wochen keine Spur. Stattdessen heißes Sommerwetter mit etwa 30 Grad Celsius.

 

Und wir befinden uns aller Werbespots zum Trotz wirklich auf 10°00‘ O und 53°36‘ N! Somit wäre das Vorurteil aller Vorteile, nämlich daß es in Hamburg immer regnen würde, bereits aus dem Weg geräumt. Ich könnte an dieser Stelle auch gleich die schockierende These einwerfen, daß es in Hamburg sogar Palmen gibt, ok zumindest eine und die steht NICHT bei mir vorm Fenster... *gg*

 

Hamburg, 8:30 Uhr, gefühlte Uhrzeit 5:30 Uhr, mein Bett: Da ich nicht gerade der Gruppe der militanten Frühaufsteher angehöre, schlurfe ich mehr, oder doch eher weniger wach aus dem Bett in Richtung Küche. Nach immerhin bald zwölf Stunden ohne jegliche Nahrungsaufnahme schiebe ich mir kurz ein Stück Brot zwischen die Beißerchen, um dem drohenden Hungertod gerade noch so zu entgehen. Damit wäre Problem Nummer 1, der Hunger beseitigt. Gehe dann also über zu Problem Nummer 2, dem noch anhaltenden nächtlichen Wärmedelirium. Da hilft nur eines: kalt duschen!

 

Hamburg, 11:15 Uhr: Nachdem ich meinen Kampfrucksack (OHNE Essen, weil ich die temperaturbedingte Entwicklung eines Biotops dort vermeiden wollte. Nicht, daß mir der noch unter Naturschutz gestellt wird, das würde mich in eine schwere Krise stürzen. *gg*) gepackt habe, mache ich mich, dem Eiswasser sei Dank, per Auto verhältnismäßig munter auf den Weg Richtung U-Bahn Kellinghusenstraße.

 

Keine Ahnung, ob Pia und Paul mich je erkennen werden, schließlich bin ich inkognito unterwegs, da ich mich beharrlich weigere, bei diesen tropischen Witterungsverhältnissen ein Geweih aufzusetzen oder gar eine plüschige, pailettenbesetzte Weihnachtsmannmütze. *gg*

 

Kellinghusenstraße, 11:40 Uhr: Nach einem erstklassigen 200m-Sprint mit abschließendem Hechtsprung (6,0 in der B-Note *gg*) erreiche ich gerade noch so eben die U1 in Richtung Innenstadt. Tadaaaa....fünf Minuten Wartezeit gespart. *g*

 

 Vorm Rathaus, 11:53 Uhr: Ich latsche einmal quer über die HEW-Cyclassics-Baustelle auf dem Rathausmarkt und suche mir ein schattiges Plätzchen auf einer schön kühlen Marmorbank direkt vor dem nicht-roten (*breitgrins*) Rathaus. Ich kann es selbst kaum fassen sieben Minuten zu früh, wann ist mir das denn zuletzt passiert????  Genau genommen hätte ich mir also auch die artistische Einlage an der U-Bahn eben schenken können, aber was soll´s, der Sportsgeist siegt da jedesmal. *gg*

 

 Vorm Rathaus, kurz nach 12:00 Uhr: Pia und Paul treffen auch ein und erkennen mich trotz meiner vollkommen geweih- und kampfrucksackfreien (der liegt nämlich im Auto) Erscheinung sofort. *g* Nachdem Pia festgestellt hat, daß ich auf den Fotos größer aussehe als ich es in Wirklichkeit bin, ja 1,60m sind eben nur 1,60m *lach*, geht es weiter in Richtung Hauptbahnhof zum chinesischen Imbiß Din Hau. Das vor allem aus dem Grund, weil meine Verfressenheit wieder mal zuschlägt und mir mein ultraelastischer Magen bereits seit halb 12 in der Kniekehle hängt.

 

Danach gibt´s eine kleine Runde Blaualgen-Sightseeing an der Binnenalster und schließlich landen wir im Alex, wo wir auf Christine und Robert warten, die dann auch recht bald eintreffen. Zuvor mache ich den Vorschlag später Richtung Blankenese an die Elbe herunter zu fahren, allein schon um endlich mit der These Hamburg habe keine Berge aufzuräumen. *gg*

 

 Jungfernstieg, ca. 14:30 Uhr: Wir machen uns allesamt auf den Weg zur S1 und nun geht es in Richtung Blankenese. Was macht meinereiner mit jedem Nicht-Hamburger, der sich weigert, mir zu glauben, daß hier doch nicht alles tellermäßig flach ist? Genau, ich gehe mit ihm ins Blankeneser Treppenviertel, zum einen sieht´s dort ganz hübsch aus und zum anderen gibt´s es dort eben mein Beweismittel: Berge! Also gut, weil man aber erstmal runter muß, um später den Aufstieg zu genießen, geht´s zunächst die Strandtreppe abwärts an die Elbe. Von unten aus hat man bei diesem Wetterchen einen netten Blick auf das am Berg gelegene Viertel. Dann ein kurzer Spaziergang stadtauswärts entlang der Elbe und eigentlich wäre der nächste Schritt der Aufstieg gewesen....ja eigentlich, denn Christine, Robert und Paul entscheiden sich doch lieber den Bus zu nehmen, statt den Berg heraufzulaufen. *tststs* .... aber nicht, daß mir von Paul nochmal Bemerkungen kommen, Hamburg hätte keine Berge, im Bus sind die ja auch nicht anstrengend. *gg* Pia und ich hingegen sind SPORTLICH und laufen zunächst die Treppe am Krumdal wieder rauf, um dann nach kurzem Irrweg meinerseits, noch einen Teil des Süllbergs zu erklimmen und das Ding hat immerhin eine ganz nette Steigung (der Waseberg ist übrigens noch ein bißchen fieser - aber man will ja nicht gleich mit der Luis-Trenker-Ehrentour anfangen *gggg*). Ok, das ist jetzt nicht unbedingt eine hochalpine Gletscherlandschaft und man schafft das gerade so eben noch ohne Sauerstoffgerät und Bergsteigerausrüstung, aber auch nur so gerade eben. *lach*

 

Der Rest steht natürlich schon längst an der S-Bahn Haltestelle und wartet, daß Pia und ich auch mal eintrudeln...Wo bleibt eigentlich der Applaus für diese sportliche Höchstleistung???? *g*

 

S-Bahn Blankenese, gegen 16:00 Uhr: Wir machen uns wieder auf den Weg zurück in die Innenstadt, ich muß noch meinen Kampfrucksack mit den anderen Klamotten aus dem Auto an der Kellinghusenstraße holen, weil ich mich in meinem jetzigen ziemlich nassen Hochleistungs-Bergsteigeroutfit wohl kaum ins Theater begeben kann *g* Das heißt in der Konsequenz, daß ich am Jungfernstieg in die U1 umsteigen muß während der Rest weiter zum Hauptbahnhof zur Gourmet Station fährt. Gourmet Station?? Hääää, habe ich noch nie gehört, wohne auch erst 24 Jahre und neun Monate in Hamburg, da kann man auch mal was übersehen. *lol* Paul versucht also mir zu erklären, wo das dort ist...er erklärt und erklärt und erklärt und scheitert. Ich kenne nur die Wandelhalle, mehr nicht. Wir einigen uns dann schließlich darauf, daß wir auch alle ein Handy dabei haben, nur falls ich mich verirren sollte. *gggggg*

 

Hauptbahnhof, 17:00 Uhr: Ich bin nach meiner kurzen Exkursion zum Auto gerade wieder aus der U1 am Hauptbahnhof gestürmt, und mach mich auf den Weg zur Wandelhalle, schon klingelt das Handy...*gg* Aber schneller konnte ich nun wirklich nicht wieder da sein, ansonsten hätte ich die U1 kurz für einen weiteren Teil von Speed kidnappen müssen. *lach*

 

Nun geht´s weiter in Richtung Reeperbahn zum Hotel Stern, damit sich unsereins musicaltauglich umziehen kann.

Hotel Stern, 17:30 Uhr: Tja...dieses Hotel.... um Pia zu zitieren „es hat alles, was man braucht, aber auch nicht mehr“...naja, da ich nunmal zur schonungslosen Wahrheit neige, nenne ich das Knast-Trainingscamp, auf den Gängen findet man dieses schnörkellose, äußerst funktional gehaltene Design. Auch auf den Zimmern selbst ist diesbezüglich kein Stilbruch zu erkennen, sondern eher eine konsequente Fortführung des innenarchitektonischen Meisterwerks im Flur. Dafür sind die Zimmer sehr raumsparend und wenn jetzt noch Gitterstäbe an den Fenstern wären, könnte man direkt meinen, das sei ein Hotel der ganz besonderen Art, aber so ist es eben doch nur ein Trainingscamp. *ggg* Das einzig luxuriöse ist das Bad, in dem man sich problemlos umdrehen kann und sogar noch Platz hat, da ist wohl in der Planung was schief gelaufen. *lach*

 

Wir treffen uns um 19:00 Uhr wieder mit Robert und Christine und machen uns auf den Weg in Richtung S-Bahn, um zur Neuen Flora zu fahren.

Neue Flora, 19:20 Uhr: Die StageHolding hat sich bei der Neugestaltung des Theater-Foyers doch ganz gut Mühe gegeben und von der Toilettenhäuschen-Flair mit den kleinen Kacheln der früheren Jahre ist nichts übrig geblieben, stattdessen überall roter Teppich.

 

Das Programmheft gibt es heute statt für fünf Euro gleich kostenlos dazu, nur das Castheft kostet 2,50 Euro extra. Pia und Paul haben ja morgens gleich in aller Frühe die Karten besorgt und die Plätze in Reihe 17 sind super, man sieht alles, ohne sich Genickstarre zu holen.

 

Foyer Neue Flora, gegen 21:30 Uhr: Pause....ja, was ich von dem ersten Akt halten soll weiß ich noch nicht so recht. Für meinen Geschmack ist er durch recht lange Dialogpassagen einfach zu sehr zerstückelt und in Teilen auch einfach zäh und langatmig. Es gibt keine Charaktere, mit denen man die ganze Show „durchleiden“ kann, selbst wenn man versucht, sich auf ein oder zwei Personen zu konzentrieren, mißlingt es. Das scheint allerdings auch von der Inszenierung so beabsichtigt zu sein.

 

Also so ein richtiges Nordatlantik-Eis-Feeling kann sich bei mir nicht einstellen, ich komme mir temperaturtechnisch eher so vor, als hätten sie den Eisberg mal eben in die Tropen versetzt. Ok, es ist mein Fehler im knallheißen Hochsommer in einem langärmligen Shirt in die Show zu gehen, im Bikini hätten die mich dann allerdings wohl doch etwas seltsam angeguckt. *lol* Aber die wackelnden Sitze beim Eisbergcrash ganz am Ende des ersten Aktes sind genial, das läßt bei mir doch sofort den Wunsch aufkommen, daß der Kutter jetzt bitte zurücksetzen könnte, um gleich noch ca. 20 weitere Mal gegen den Berg zu fahren. *gg*

 

Theater Neue Flora, 23:00 Uhr: Ende...beim zweiten Akt habe ich keine Zweifel mehr, wie ich den denn nun finden soll...der ist einfach toll (bis auf die Szene mit dem Ehepaar Strauß, die ich irgendwie nicht so pralle und eher als totale Dramatikbremse empfinde), es kommt mehr Tempo und Dramatik auch in die Musik rein auch die Lautstärke wird noch erhöht. (Ich brauch´s irgendwie immer auf die Ohren *gg*) Wie das halt bei mir und meinem Magen, äh Bettbezug, so ist, sagt er mir mitten in der Vorstellung, daß er unbedingt mal wieder essensmäßig aufgefüllt werden muß. Naja, ich werd´s schon überleben, finde bestimmt noch eine schokoladentechnische Fettreserve an meinem Körper, die ich anbrechen kann. *lach*

Titanic Logo

Wie Immer, mein Kommentar zur Besetzung:

Carsten Lepper (Thomas Andrews): eigentlich ist jeder Kommentar zu viel, der ist einfach genial.

Patrick Stanke (Frederick Barrett): Gesanglich super und optisch eh, wobei ich finde,  ja er könnte gut und gern ein bißchen länger ohne dieses total überflüssige rote T-Shirt rumlaufen. *breitgriiiiiiiiiiins*

Marius Sverrisson (Jim Farrell): Er ist mir eigentlich erst im Duett „ 3 Tage“ mit Jasmin Madwar aufgefallen, dann aber auch gleich richtig, klasse Stimme.

Jasmin Madwar (Kate McGowan): Sie ist mir noch aus Swinging St. Pauli bekannt, wo sie die Emma Löwenstein gespielt hat, aber auch in Titanic hat sie mich voll und ganz überzeugen können.

Da standen natürlich noch ein paar Leute mehr auf der Bühne, die allesamt gut waren und stimmlich harmonierten. Einen Totalausfall wie ich ihn zuletzt in Essen bei Elisabeth erlebt habe, gab es hier nicht.

Mein Fazit: Die Show ist schön, aber mein persönlicher Favorit ist Titanic nicht, einfach aus dem Grund, weil mir gerade der erste Akt viel zu langatmig ist und bei mir der Gedanke aufkommt „Wenn ihr jetzt nicht gleich gegen den Eisberg fahrt, dann schieb ich den Eisberg gegen das Schiff. *gg* Aber wahrscheinlich reicht ein einmaliger Besuch bei diesem Musical auch nicht aus, um wirklich alles vollends mitzubekommen. So ein Effekt wie nach meinem ersten Elisabeth-Besuch, daß ich total benebelt aus der Show komme, stellt sich auch nicht ein, weil es keine wirklichen Hauptrollen gibt und das Stück bestimmt ein halben Meter vor mir Halt macht und mich nicht wirklich berührt. Die technische Umsetzung des Stückes ist beeindruckend und absolut sehenswert, allerdings macht das Spiel auf drei Ebenen es für jemanden in den ersten Reihen etwas schwer, die Show ohne Genickstarre zu überstehen. *g*

 

Wir machen uns danach noch kurz auf den Weg an die Stagedoor, an der es erfrischend leer ist, um dann in Richtung S-Bahn und Hotel aufzubrechen, wo ja auch noch mein Rucksack rumliegt.

Hotel Stern, 0:00 Uhr: Pia und Paul haben sich schon bereit erklärt, mich noch zum Auto zu bringen, weil ich fast nix gräßlicher finde, als spätabends allein mit der Bahn zu fahren müssen. Christine und Robert verabschieden sich an dieser Stelle in die Nachtruhe.

 

Ich habe natürlich einmal mehr keine Ahnung, wann die letzte U3 von der Feldstraße Richtung Barmbek fährt, aber wir sind dann vorsichtshalber schnellen Schrittes die Reeperbahn zur U-Bahn raufgelaufen. Wie das halt nachts auf dem Kiez so üblich ist, wird man an jeder Ecke angequatscht, ob man nicht doch in die ach so tolle Tabledance-Bar kommen möchte. Gut, diesen Einladungen der ziemlich schmierig aussehenden Herrschaften läßt sich doch extrem leicht widerstehen. *g* Wir erreichen dann schlußendlich nicht die letzte Bahn, die um 0:48 Uhr fährt, sondern immerhin die um 0:28 Uhr.

Nachdem wir mein Auto erreicht haben, machen wir uns noch auf in Richtung Rübenkamp zum Schachcafe.

 

Schachcafe, gegen 1:00 Uhr: Hier landen wir nun zum Abschluß des Tages, wo es  durchgehend warme Küche gibt – warum kenne ich den Laden bloß so gut?  Sollte ich dort mit Freunden eventuell schon so einige Heiligabende zu fortgeschrittener Stunde verbracht habe, weil wir alle eine Überdosis vom allgemeinen familiären Weihnachtswahn hatten? *gggg*

Nach ein bißchen essen und quatschen brechen wir gegen halb drei dann in Richtung Reeperbahn auf, weil sich so langsam doch die Müdigkeit breitmacht. Der Weg dorthin ist ja eigentlich auch kein Problem... eigentlich, wenn da nicht gerade DOM ist und natürlich genau DER Weg abgesperrt ist, den ich zur Reeperbahn kenne. Das hat dann zur Folge, daß ich irgendwo lang fahren muß, wo ich ich meine, daß zumindest die geographische Richtung so einigermaßen stimmt. *lol* Nachts ist mein Kompaß im Kopf eh ausgeschaltet, weil im Dunkeln immer irgendwie alles gleich aussieht. *ggg* Das Unterfangen endet natürlich damit, daß ich ein-, zweimal wenden muß, weil ich die Straße gerade in die falsche Richtung fahre, aber letztlich finden wir die Reeperbahn dann doch noch. *lach* Ängste, ich würde den Weg nach Hause nicht mehr finden, sind grundlos......DEN finde ich seltsamerweise immer, im Zweifel auch mit geschlossen Augen. *ggggg*

 

Hamburg, 3:20 Uhr, mein Bett: Nach einem extrem lustigen Tag falle ich sandsackartig wieder in mein nächtliches Sommer-2003-Wärmekoma....bis zur nächsten Eisdusche. ;-)

Noch einmal die  AlsterSo, ich hoffe Ihr habt die schockierenden Tatsachen, daß es mindestens eine Hamburgerin gibt, der bereits bei einem Anflug von Fischgeruch schlecht wird, den strahlenden Sonnenschein, mein dauerhaftes Loch im Magen und die Berge gut überstanden und Ihr traut Euch jetzt noch in diese Stadt, denn ich habe garantiert noch mehr Schocker auf Lager. Sei es nur eine Palme oder ein Laden, der den verheißungsvoll bedrohlichen Namen „Weihnachten“ trägt und das ganze Jahr über den fiesesten Weihnachtskitsch verkauft.... *ggggggg* Und beim nächsten Mal sage ich dann auch Herrn Christo Bescheid, er möge bitte das Rathaus zuvor rot verpacken.....*grinszuPia*

Ach ja, Paul, das letzte Mal, daß im Winter Buden auf der Außenalster standen und man eben auch offiziell auf´s Eis rauf durfte, war übrigens tatsächlich Anfang 1997... *Beweisfotohabe* ;-)