
Nachdem
klar war, dass unsere kleine Geburtstagsfeier in Stuttgart ins Wasser gefallen
ist, beschloss Vampy ihr Geschenk für Max 40igsten sofort in die Tat
umzusetzen: Eine Reise nach London !
Wozu hat man denn schließlich Internet und das geht ja wie´s Brezelbacken: Erstmal bei RyanAir (http://www.ryanair.com) die Flüge gebucht ( ca. 150€/Pers) und dann mit http://www.hrs.de ein schönes preiswertes Hotel finden (46 Pfund/Nacht).
Um 16:00h landeten wir ohne vorausgehende Katastrophen in London Stansted Airport und waren dann gegen ca. 17:00h in Liverpool Street Station mit dem Stansted Express eingetroffen.
Liverpool Street Station ist im Osten der City und unser Hotel liegt genau auf der andern Seite bei Paddington Station. Also beschlossen wir mit der Central Line ( Underground) gemeinsam loszufahren.
Mist! Die Central Line fährt nicht, weil es technische Probleme gibt, also ab in die Circle, die ewig braucht, um dann in die Piccadilly-Line umzusteigen. Weil Max ja Geburtstag hatte, durfte er sich schon mal das Programm für den Abend wünschen, und er wünschte sich: Entweder Joseph, oder einen Pub-Abend. Da es abzusehen war, das wegen des U-Bahn Chaos die Zeit knapp werden könnte, ist Max dann weiter in Richtung Paddington gefahren, während Vampy sich, in gewohnter Weise, auf den Weg machte, um nach Karten zu gucken. Das klappte auch wunderbar, und so hatte Vampy um 18:30 zwei gute Karten (Reihe 11) für Joseph. Nachdem das geschafft war, machte sie sich seelenruhig in Richtung Theater auf, um dort einen gemütlichen Pub zu suchen in dem sie auf Max warten konnte ;-).
Am Paddington
Station hat Max erst einmal das Hotel in der falschen Richtung vermutet und dem
Koffer die nähere Umgebung um den Bahnhof herum gezeigt. Nach einigem
herumirren konnte Max endlich im Hotel einchecken. Das war nicht so einfach,
weil unser Nachname nicht auf der Reservierungsliste stand :-(. Die Briten
hatten uns unter Mr/Mrs Max (Vorname) gebucht, was nach einigem hin und her
herauskam *Die spinnen, die Briten...*
Jetzt aber Beeilung, denn es war bereits 19:00h und Vampy wartete schon sehnsüchtig in Nähe des New London Theater (ehemals Cats) in der Drury Lane, in dem ab 19:30h unsere Show beginnen sollte. Auf dem Weg zum Theater kamen dann auch noch einige Geburtstagsanrufe, die Max eigentlich zu dem Zeitpunkt gar nicht brauchen konnte :-). NaJa, es wusste ja niemand, dass wir gerade in London waren... Auf jeden Fall schaffte es Max bis genau 19:20 zum Pub, und konnte sein erstes Geburtstags-Lagerbier auf britischem Boden leider nur aus Vampy`s Glas geniessen, nun aber ab zu Joseph :-)
Joseph And The Amazing Techicolor Dreamcoat war unser erstes Musical, das wir gesehen hatten und sozusagen unsere Einstiegsdroge. Nach Essen und Amstetten, sollte es diesmal die dritte Inszenierung des Erstlingswerkes von A.L. Webber sein und wir waren sehr gespannt darauf. Um 19:35h haben wir dann unsere Plätze eingenommen und es ging dann sofort los :-)
Nach der bekannten Ouvertüre, in dem die schönsten
Songs aus den Stück angespielt wurden, kam die beste Darstellerin auf die Bühne
( Max´ Meinung), die Erzählerin: Vivienne Carlyle.
Für die nicht ganz bibelfesten möchte ich ( Max ) ganz kurz die Story erzählen:
Also, die Geschichte stammt aus dem alten Testament und beginnt in Canaan. Joe ist der Lieblingssohn von dem steinalten Abraham-Sprößling Jacob, der mit seinen vier Frauen insgesamt 12 Söhne hat. Hauptberuflich sind alle Schafhirten und Jacob ist der Boss.
Joe wird immer bevorzugt und die Brüder sind neidisch und das eskaliert dann, als Papa ihm ein supertolles Outfit spendiert (Der Dreamcoat). Als Joseph dann auch noch von seinen Träumen erzählt, in dem sich seine Brüder vor ihm verneigen und ihn verehren, drehen diese durch. Joe wird kurzerhand als Sklave an den erstbesten Ägypter verscherbelt und Jacob wir berichtet, dass sein Liebling beim Ziegenwresling umgekommen ist.
Im Ägypten arbeitet Sklave Joseph sich beim Hauptmann Potiphar nach oben, muss aber dann hinter schwedische Gardinen, weil er sich von Frau Potiphar verführen und von Mr P erwischen lässt. Im Knast macht er sich als Traumdeuter bald einen Namen, und darf dann den Pharao seine Träume deuten. Diesem erzählt er dann, dass seine Träume eine Langzeitprognose für die Agrarwirtschaft ist und es in den nächsten sieben Jahren Rekordernten geben wird. Allerdings gibt es danach sieben Jahre nix mehr zu knabbern. Kurzerhand wird Joseph Landwirtschaftsminister und soll die nächsten 14 Jahre managen, damit keine verhungert. Als dann nach 7 Jahren die Hungersnot kommt, sind Joe und die Ägypter bestens vorbereitet.
I
n Canaan gehen seine Brüder zwischenzeitlich auf dem
Zahnfleisch und machen sich auf nach Ägypten um von deren Überfluss was
abzubekommen. Im glauben dass Ihr Bruder tot ist, erniedrigen sich die Brüder
und kriechen vor Joe und betteln ihn an, aber sie erkennen ihn nicht. Joe ist
immer noch mächtig sauer, gibt ihnen aber trotzdem was zu essen weil er sie auf
die Probe stellen möchte. Im Beutel seines Lieblingsbruder Benjamin versteckt
er einen Silberkelch, der diesen dann als Dieb entlarvt. Um ihren Bruder Ben zu
retten, bieten sich nun alle Brüder als Austauschgeisel an und beschwören
dessen Unschuld. Nun da Joseph erkennen muss, dass sich seine Brüder
offensichtlich von Charakter geändert haben, gibt er sich zu erkennen und es
gibt ne tolle Wiedervereinigungsparty.
– Happy End –
Trotz der biblische Geschichte (Genesis Kap. 37-46) ist dieses Musical ein musikalisches Potpourri in dem von Pop, Balladen, Country und Rock ´n Roll alles im flotten Stil geboten wird. Besondere Highlights sind z.B. der Auftritt des Pharaos als Elvis oder die Brüder in „Those Canaan Days..“. Als Darsteller des Josephs wurde Stephen Gately ehemals Mitglied von Boy Zone engagiert, der ähnlich wie vormals Jason Donovan oder in Deutschland Andreas Bieber, das Theater füllen sollte.
Die Leistung von Gately war für uns eher enttäuschend, was vor allem in dem Solo „Close Every Door“ zu spüren war. Das konnte auch die fantastische Erzählerin Vivienne Carlyle nicht ausgleichen. (Anm.:Den Namen muss man sich merken! )
Fazit: Joseph in London zusehen war für uns schon toll, aber schlussendlich war es eine eher durchschnittliche Inszenierung vor allem für Londoner Verhältnisse. Allerdings ist Joseph ein Stück, das immer wieder auftaucht und irgendwie werden wir es auch dann wieder die Show zu sehen.
Am TKTS Booth gab’s heute nichts was uns so richtig
angesprochen hatte, deshalb sind wir zum Piccadilly Theatre gegangen um nach
Tickets für eine Pre-View von Ragtime zu fragen. 25 PDS each, war Okay! Obwohl es uns ärgerte, dass Ragtime später doch noch
am TKTS angeschlagen wurde *grummel*
Aber schließlich hatten wir die Abendshow in der Tasche. Wir wollten uns
keine Matinee anschauen, sondern das tolle Wetter genießen und einem anderen
Hobby frönen... Shopping
Shopping in London ist ein Muss, und es ist heutzutage deutlich erschwinglicher als noch vor ca. einem Jahr. Ob dies nun damit zusammenhängt, dass die Preise in London gesunken sind, oder dass in Deutschland alles teuerer geworden ist, sei mal dahin gestellt. Zumindest gibt es in der Oxford Street modische Kleidung oder Accessoires, die Top-Aktuell sind und die in Deutschland nicht so einfach zu finden sind.
Trotz Hinkebein-Vampy sind wir bis The Stand gelaufen und mitten in eine Anti-Kriegs-Demo geraten. Eigentlich wollten wir ja nur unseren Lunch in den Grünanlagen von Embankment zu uns nehmen, aber der Zugang war abgesperrt *seufz*. Also haben wir uns entscheiden, mit der Underground von Charing Cross nach Embankment zu fahren, was normalerweise einen Fußmarsch von ca. 100 Metern bedeutet hätte *gg* Aber Mist, auch von der anderen Seite war der Park abgesperrt :-(((. Nun ja, wir haben dann wegen erster Schwächeanfälle aufgegeben in den Park zu kommen und uns auf den Betonstufen des Trafalga Square niedergelassen um unser Lunchpaket zu verspachteln :-)))
Jedenfalls waren wir gesättigt und dazu haben wir auch noch einige schöne Dinge eingekauft, so dass wir dann gegen 19:30h am Piccadilly Theatre waren.
Die Story von Ragtime ist sehr komplex, die parallele Schicksalen darstellt um die Jahrhundertwende (1902) spielt. In dieser Zeit ist der Rassismus allgegenwärtig. Gleichzeitig das Besteben der Schwarzen Amerikaner die gesetzliche Freiheit im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu leben.
Es geht deshalb nicht um eine Story, sondern um Schicksale der Zeitgeschichte. Aufhänger ist eine weisen Familie, in der die Frau des Hauses den Rassismus und die Unterdrückung der Schwarzen durch Ihren konservativen Mann kennen lernt.
Weiterhin muss Sie mit ansehen, wie ein jüdischer Immigrant mit seiner kleinen Tochter das Abenteuer Amerika meistern muss.
Das Dienstmädchen der Familie ist mit dem Musiker Coalhouse Walker verlobt, der diese ungeschrieben Regeln der „pseudo Sklaverei“ ignoriert und mit dem Erfolg seiner Musik es sogar schafft sich eines der ersten Autos (Henry Ford kommt auch vor) leiten zu können. Diese für den Ku Klux Klan bestehende Provokation bezahlt Coalhouse schlussendlich mit seinem Leben.
Dem Immigranten geht es da besser, da er eine Tellerwäscher Karriere macht. Er ist erfindet das „Daumenkino“ und ist am Ende ein berühmter Stummfilm Produzent. Die Frau des Hauses kann dies Ungerechtigkeit und Ignoranz Ihres Mannes nicht mehr tolerieren und verlässt ihn.
Es war eine fantastische und packende Show mit
Darstellern der Extraklasse. Wir hätten nie gedacht, dass uns ein Musical mit
Ragtime Musik, was nun überhaupt nicht unser Geschmack ist, so gut gefallen
könnte. Die Reise durch die Zeit mit den Zeitzeugen, wie z.B. Henry Ford Harry
Houdini, ist durchgängig, schlüssig und packend. Trotz der parallelen
Geschichten entsteht keine Verwirrung und die Emotionen werden authentisch ins
Publikum übertragen.
Fazit: Absolut sehenswert! Schade, dass es nur kurz im Piccadilly Theater aufgelegt ist.
Ausgeschlafen sind wir noch ein bisschen durch unsere Lieblingsstadt gezogen um dann unsere unproblematische Heimreise anzutreten.
Viele liebe Grüße
Max und Vampy