
ANREISE Donnerstag, 05. Mai 2005
Nun waren wir dieses Jahr bereits zum 4. Mal in London und haben noch keinen Bericht geschrieben. Na Ja, dann wird’s aber mal Zeit J
Also, was machen wir an diesem tollen ersten Brückentag im Mai? … Das war die Frage, die wir bereits seit Tagen zu beantworten versuchten. Nun nach einiger Recherche hat natürlich Pia das Top-Angebot gefunden: London als Last Minute Angebot bei L’Tours, mit einem offensichtlich erstklassigem vier Sterne Hotel, welches regulär erst ab ca. 300- Euro pro Nacht zu haben ist.
Im Vorfeld gab es trotzdem noch etwas Trouble, denn wir hatten den 5. Mai Karten für Billy Elliot gebucht und dann kam diese blöde E-Mail: „… to much of our regret … the performance has been cancelled and will not be rescheduled…“ MIST! Aber vielleicht haben wir ja noch Chancen Vor-Ort Karten zu bekommen.
Unser Abflug war am Donnerstag, dem 5.Mai war bereits um 6:30h ab Düsseldorf, so dass wir bereits am Mittwoch in Düsseldorf übernachteten und den Night-Check-In von Air Berlin nutzen konnten. Die Anreise war bequem ohne Ryanair-Gedrängel und außerordentlich pünktlich.
ERSTER TAG Donnerstag, 05. Mai 2005
Um ca. 9:00h waren wir dann im Hotel, haben die Koffer abgegeben und sind sofort zum Victoria Palace Theatre gefahren um nach Tickets für Billy Elliot für Freitag, den 7.Mai zu fragen. Entweder Reihe L (12.Reihe) im Dress Circle für 50 Pound each! oder Reihe C außen (restricted view) Stalls (Parkett) für 40 Pound. WOW! Stolze Preise für Previews, aber mit unseren Parkettplätzen waren wird zufrieden.
Unserer Meinung nach wird sich das hohe Preisniveau, welches sich seit ca. einem halben Jahr in London zeigt, rächen bzw. die Shows werden sehr viel früher an den Half Price Booth TKTS (http://www.officiallondontheatre.co.uk/tkts/)) gehen. Dies sieht man bereits an „The Women In White“ oder an „The Far Pavilions“ , welche bereits jetzt fast jeden Tag am Booth sind.
Apropos Booth, wir hatten ja noch nichts für heute, und so war der Leicester Square unsere nächste Station. Wie erhofft war „The Far Pavilion“ am Booth und wir haben sehr gute Plätze in der Reihe D (4. Reihe) bekommen. *freu*
Nun hatten wir noch etwas Zeit und da es vom Leicester Square nur ein paar Meter zum Covent Garden sind, haben wir uns entschlossen zum Muffinski´s (King Street, http://www.muffinskis.co.uk/) zu begeben. Bei Muffinski’s gibt’s die köstlichsten Muffins in Britain.., nein falsch, die Besten auf der ganzen Welt.
Zurück in unserem Hotel (K WEST Hotel http://www.k-west.co.uk)), welches in Hammersmith in der Nähe Shepherd’s Bush gelegen ist, gab’s einen positive Überraschung. Die nobelste Herberge, die wir jemals in London hatten. Ein großes Zimmer mit einem riesigen Bett, Sitzecke mit Couch und von Bademantel bis Bügelbrett war alles drin. Großartig! Offensichtlich leidet das relativ neue Hotel daran, dass es nicht in der direkten City liegt und bietet deshalb Sonderangebote an. Wir glauben es lohnt sich nach Angeboten dieses Hotels zu suchen.
Nach einem kurzen Streifzug durch die Stadt sind wird dann pünktlich um 19:30h im Shaftersbury Theatre zu „The Far Pavilion“ angekommen.
THE FAR PAVILION (Shaftersbury Theatre)
Vorab müssen wir noch sagen, dass wir absolut vorbehaltlos
in diese Show gegangen sind. Wir hatten weder den Film gesehen, noch das Buch
gelesen.
Das Musical hat eine sehr dichte und weit reichende, schlüssige Story, die im Detail erzählt mindestens 10 Seiten füllen würde. Die Geschichte spielt in der Zeit Queen Victoria zur Kolonialzeit in Indien. Im Mittelpunkt steht Ashton (Ash genannt), der als britischer Offizier in die der Kolonie Indien dient. Er ist in Belinda, der Tochter es Oberbefehlshabers verliebt und hält um Ihre Hand an.
Ash hat aber ein Geheimnis, dass nur seinem Freund Walter erzählt hat: Er stammt aus Indien und ist im Palast der Winde aufgewachsen. Dort hat er sich als Junge in die Prinzessin Anjuli verliebt und trägt seit dem eine Hälfte ihres Medallion bei sich. Er musste aber mit seiner vermeintlichen indischen Mutter fliehen, weil er in eine Intrige gerät und als Mörder des Maharajahs bezichtigt wird. Auf der Flucht hatte seine „Mutter“ dem Sterben nahe ihm gebeichtet, dass er ein Waisenkind ist und sie nicht seine Mutter ist. Seine Eltern seien Briten und leider nicht mehr am leben. So kam er dann nach UK und hatte seine Militärausbildung erlebt und als quasi „native indian“ ist er der einer der Besten um in Indien für England zu dienen.
Bei Bekanntgabe der Verlobung diskreditiert der eifersüchtige Hauptmann Harkness seinen Untergebenen, indem er seine unehrenhafte Herkunft preisgibt. Belinda zieht sich von ihm zurück, aber sie liebt ihn. Die Idylle des Regiments wird nun aber auch dadurch gestört, dass die Truppe nach Afghanistan berufen wird um dort in einen mörderischen Krieg einzutreten. Alle außer Ash ziehen los und keiner weiß wie viele zurückkehren werden.
Durch die starken Intrigen im Palast der Winde getrieben wendet sich Koa Dad Kahn Sahib (Stallmeister oder so was), der damalige Ziehvater von Ashok (wie Ashton damals hieß) an die Briten und trifft auf seinen tot geglaubten Ziehsohn. Beide ziehen zum Palast um die Machtübernahme durch Rana of Bhitor zu verhindern. Nun treffen sich Ashok und Anjuli wieder und verlieben sich erneut.
Anjuli muss aber den Gesetzen des Landes folgen und Rana
heiraten, welcher damit die Macht als Maharajah erhält. Dies gefällt der
Ex-Frau und tatsächliche Mörderin des ehemaligen Maharajha gar nicht,
schließlich wollte sie Ihren Geliebten Rana heiraten und auch die Macht weiter
besitzen. Deshalb bringt Sie auch Rana um und Anjuli soll, wie es Brauch ist,
auf dem Scheiterhaufen mit dem Maharajha verbrannt werden. Anjulis Halbbruder
und designierter Maharajha verhindert dies, so dass Ash und Anjuli fliehen
können. Auch Koa Dad Kahn Sahib zieht es wieder in seine alte Heimat
Afghanistan um gegen die Briten zu kämpfen.
In Afghanistan geht es den Briten schlecht und es gibt große Verluste. Nur Ash kann jetzt noch helfen, weil das Land wie seine Westentasche kennt. Gegen den Befehl vom Hauptmann Harkness lässt Walter seinen Freund suchen und zur Front bringen. Ash erkundet das Gebiet und teilt der Truppe mit, dass sie von über 200.000 Afghanen eingekesselt sind und der einzige Weg die Flucht wäre. Dies ist aber gegen Befehl und Ehre der Truppe und so befiehlt der Hauptmann zum Sturm in die letzte Schlacht. In einem riesigen Gemetzel werden alle Briten getötet. Alle, nein Ash hat überlebt und trauert um seinen Freund Walter. Plötzlich richtet sich aber der Hauptmann wieder auf und zieht hinterrücks auf Ash… ein Schuss und… der Hauptmann sinkt tödlich getroffen zu Boden. Koa Dad Kahn Sahib hat seinen „Sohn“ Ashok gerettet. Nun können Ashok und Andjuli endlich zusammen kommen und in den Bergen ein neues Leben beginnen.
Das war eine packende Geschichte um Liebe, Ehre und Mut. Vielleicht ist das Stück mit 43 Liedern etwas überfrachtet, so dass bei uns kein wirklicher Ohrwurm hängen geblieben ist. Das bedeutet aber nicht, dass es keine Highlights wie z.B. „Freedom and Honour“ gibt. Die Besetzung ist aller erste Spitzenklasse. Hadley Fraser, den wir bereits als Enjolras und Marius in Les Misérables (siehe http://www.goldsterne.de/Berichte/London_Aug2002.htm) gesehen hatten, war ein überragender Ashton. Sowohl Darstellung als auch Gesang haben uns gezeigt, dass wir ihn zukünftig noch in vielen Hauptrollen sehen werden.
Schauspieler Superstar Kabir Bedi (z.B. Sandokan) konnte als
Koa Dad Kahn Sahib sein Können als Bollywood Darsteller darbieten. Er ist kein
Sänger, aber als Schauspieler von Weltformat eine imposante und bemerkenswerte
Persönlichkeit, welche die Sympathie des Publikums auf sich zieht. Ein weiterer
Sympathieträger und hervorragender Sänger war Simon Gleeson der Ash’s Freund
Walter verkörperte. So könnten wir nun alle Hauptrollen auszählen, aber wir
wollen hier nur noch die bezaubernden und verzaubernden Damen erwähnen: Zu
einen Gayatri Iyer als graziöse Prinzessin Andjuli, und Diane Pilkington als
Belinda. Beide haben ihre Liebe, Trauer und Zerrissenheit mit wunderschöner
Stimme vorgetragen.
Fazit: Es ist ein hervorragendes Stück mit einigen Defiziten was die musikalischen Highlights angeht. Der Weiteren ist es fraglich, ob eine so umfassende Story beim Publikum ankommt, da schließlich eine permanente Aufmerksamkeit gefordert wird. Wir haben uns auf jeden Fall recht gut unterhalten gefühlt.
Nach der Show haben wir uns nach einem geeigneten Verkehrsmittel für den Weg zu unserem Hotel umgeschaut. Schließlich sind wir mit der Tube (Central-Line) von Tottenham Court Road bis Shepard’s Bush gekommen.
ZWEITER TAG Freitag, 05. Mai 2005
Unser Tag begann mit der Idee mal wieder etwas mehr von London zu sehen und deshalb beschlossen wir uns mal ein bisschen im Nord-Westen umzuschauen und unserem Walking- Bedürfnis nach zu kommen. Wir wollten nach Neasden, was mit der Jubilee Line in Zone 3 einfach zu erreichen ist (www.tube.co.uk). Wir sind aber nur bis Willesden Green gefahren, weil wir den Rest zu Fuß zurücklegen wollten. Unsere Expedition führte also wieder in die Richtung Wembley Stadion (The Place Of Champions) .
Zurzeit ist dort immer noch eine riesige Baustelle, die wir von weitem gut erkennen konnten. Direkt am Wembley Stadion haben wir letztes Jahr einen interessanten (Floh-)Markt entdeckt. Zumindest konnte sich Paul dort ein neues Cover für sein mobile phone besorgen. Ansonsten sollte man auf dem Markt seinen Geldbeutel gut verstecken, da die Klientel nicht unbedingt den vertrauenswürdigsten Eindruck machte.
In Neasden steht der größten Hindu-Tempel außerhalb Indiens,
doch irgendwie wusste Paul nicht so recht, ob man da rein darf und wann und so.
Die Umgebung um Neasden ist recht nett, aber es gibt irgendwie sonst nichts Interessantes.
Da wir auch noch nach Hampstead wollten haben wir für den Rückweg erstmal den
Bus genommen und in Kensal Green ausgestiegen, wo wir unseren Lunch einnahmen.
Bis Paddington Station konnten wir wieder laufen, und zwar am Grand Union Canal
entlang und an Little Venice vorbei direkt zum Bahnhof. Canal Trails in London
sind klasse, weil in den etwas tiefer gelegen Pfaden eine idyllische Stille
herrscht, obwohl rings herum die Stadt tobt.
In Hampstead, was etwas nördlich von Camden Town liegt, haben wir uns wieder mal etwas mehr um Shopping bemüht. Leider waren zurzeit keine Sales aber man kann ja schon mal sondieren was beim nächsten Mal auf die Liste kommt *gg*
Jetzt wurde es Zeit uns zu unserem Abend Event an die Victoria Station zu begeben. Wir waren ja schon sehr gespannt auf Billy Elliot, denn wir hatte keine Ahnung was uns erwartete, da wir die Story auch noch nicht kannten.
BILLY ELLIOT (Victoria Palace Theatre)
(http://www.billyelliotthemusical.com)
(click on logo sample music)
Also die Geschichte ist eine Story der “Blokes”. Und wird in
der Sprache der „Blokes“ gespielt. Was ein Bloke ist… Ja..mmh. Ein Bloke ist
ein Typ, Kerl o.ä aus der Arbeiterklasse, ein Kumpel und er ist stolz darauf
ein „Bloke“ und kein „Chap“ zu sein.
Im Vorfeld wurde davor gewarnt, dass in dem Stück eine vulgäre Sprache verwendet wird, was wir nur bestätigen können, da wir bereits in der ersten Minuten vor allem „piss off“, „sod off“ oder „bastard“ zu hören bekamen. Aber es waren nicht nur diese Ausdrücke, die einem das verstehen erschwerten, sondern auch der sehr gewöhnungsbedürftige Dialekt. Sogar die Ureinwohner kamen ins schleudern und wir hörten von den Reihen hinten uns „What does he say?“. Wir haben definitiv nicht alles verstanden, konnten der Story aber dennoch recht gut folgen.
Also zur Story:
Billy lebt mit seinem Vater Jack, seinem großen Bruder Tony und der Oma in einem Ort der vom Bergbau lebt. Es ist die Zeit es großen Streiks (1984), weil im Rahmen der Privatisierungspolitik (Ära Margret Thatcher) die Gruben geschlossen werden sollen. Jack will dass Billy boxen lernt, so wie er und schickt ihn zum Boxunterricht. So wirklich gut ist er nicht und vielleicht liegt es ja auch an seinem Sparringspartner und bestem Freund Michael den er verhauen soll. Eines Tages, soll er den Schlüssel dem Nachfolgebenutzer übergeben und gerät in die Ballettstunde von Mrs. Wilkinson und tanzt ein bisschen mit. Die Tanzlehrerin ist anfänglich nicht besonders an dem Talent des Jungen interessiert, sondern eher an den 50 Pence pro Stunde und überredet ihn deshalb wieder zu kommen. Bald muss aber Mrs. Wilkinson feststellen, dass Billy ein außerordentliches Talent ist und perfekt Pirouetten und Schritte beherrscht.
Billy hält seine Ballettstunden vor seinem Vater und vor Tony geheim. Lediglich seinem Freund Michael erzählt er von seinem „Andersein“. Aber auch Michael ist anders und er geniesst es Frauenkleider anzuziehen.
Ansonsten haben die Leute ohnehin andere Sorgen, denn es wird nicht nur gestreikt, sondern offen gekämpft. Gegen die Polizei, gegen die Streikbrecher und gegen die Politik. Tony kämpft fanatisch und ungehemmt mit Einsatz von Gewalt und lässt sich noch nicht einmal vom Vater davon abhalten, in dem ihn sogar KO schlägt. Die Leute aus dem „Pit“ kämpfen gegen eine Wand und ebenso Billy. Zumindest wird versucht diese Parallelen aufzuzeigen. Mrs. Wilkinson hat zwischenzeitlich einen Vorstoß gewagt und Billy für die Auditions an der Royal Ballet School angemeldet. Sie gibt ihm kostenlos Einzelunterricht und seine Kür ist Tschaikowski’s „Schwanensee“.
Am Tag der Audition platzt die Geheimnistuerei, weil Billy nicht unerkannt verduften kann und sein Bruder verletzt nach Hause kommt. Mrs. Wilkinson versucht Billy mitzunehmen und erklärt Tony und Vater Jack, dass er ein Talent ist und ein großer Tänzer werden könnte. Das ist zu viel für Tony und er geht die Lehrerin an. Schließlich prügelt er sich mit der Polizei und kämpft für die Existenz der Gemeinde und Billy hüpft lustig herum. Was soll das! Mrs. W. geht und Billy darf nicht zur Audition. Die Wand gegen die er kämpfen muss wird ihm erst nun deutlich.
Billy ist nun enttäuscht und alleingelassen und er tanzt, er tanz Schwanensee, wobei er vom Vater beobachtet wird. Jack ist nun auch verunsichert und er will ja nur das Beste für Billy. Die Gruben sind kein Zukunft mehr und alle haben zu knabbern und ihre Kredite zu zahlen. Es ist Weihnachten und der Streik dauert bereits ein Jahr. Jack geht zu Mrs. Wilkinson und will von ihr wissen, ob Billy wirklich das Zeug zum Tänzer hat. Dies bestätigt sie und Jack will nun Billy zu den Auditions bringen. Dies kostet aber einige Pfund, die nicht da sind. Um das Geld beizubrinegn schließt sich Jack sogar den Streikbrechern an, wird aber von seinem Sohn Tony davon abgehalten. Es soll eine Sammlung erfolgen. Es kommen ein paar Kröten zusammen, aber durch eine Zugabe der Streikbrecher, die Tony zuerst ablehnt, kommt das Geld zusammen.
Billy reist also mit seinem Vater zu den Auditions. Jack hat aber schon bedenken, weil er in eine Welt und in eine Sprache eintritt, die er und Billy nicht kennen. So gestaltet sich in etwa folgender Dialog :
Lady: „What
is your associated business, Mr. Elliot?”
Jack:
“What?”
Lady:
“Ehm..What’s your job?”
Jack: “I
work in the pit.”
Lady:
”What?”
Jack: “Ehm, I’m..ehmm.. I’m a miner.”
Aber der nervöse Billy darf vortanzen und es gehen einige Dinge schief. Die Musikkassette mit der Schwanensee Musik ist defekt und leiert. Als nächstes wir der hypernervöse Billy von einem Mitbewerber angemacht und schlägt diesen KO, was die Jury überhaupt nicht mag. Einzig die schlussendlich entscheidende Frage „What do you feel, when you’re dancing?“ kann Billy mit Überzeugung und Emotionen füllen (Lied: Electricity) . Er füllt sich elektrisiert so als ob er fliege. Jack und Billy werden entlassen und die Entscheidung wird in einigen Wochen per Post zugestellt.
Ein paar Wochen später passieren entscheidende Dinge. Billy bekommt Post von der „Royal Ballet School“ und Vater, Tony und Oma platzen vor Neugierde. Als Billy den Brief öffnet und wegwirft, denken alle er hat eine Absage erhalten. Aber dann fischt Tony den Brief aus der Tonne und stellt fest, dass er angenommen wurde. Alle freuen sich und sind begeistert. Weniger begeisternd ist die Tatsache, dass der Streik beendet ist und die Gewerkschaft verloren hat. Zwar werden die Gruben nicht sofort geschlossen, aber in den nächsten Jahren werden alle ihren Job verlieren.
Aber Billy ist jetzt auf seinem Weg und verabschiedet sich von Mrs. Wilkinson und von seinem besten Freund Michael mit einem Kuss. Er ist jetzt auf dem Weg ein Ballet Star zu werden.
Ist das nicht eine tolle Story? Ja, das ist sie und deshalb könnte
es im Westend ein Renner werden. Allerdings muss man auch sagen, dass es bisher
kaum ein Musical gab, welches in einer derart großzügigen Weise vermarktet
wurde. Die Leistungen der Kinder ( Tanz und Gesang) ist sensationell und das
Play von Vater, Tony und den anderen Hauptrollen sehr gelungen.
Der Show-Stopper, wenn Billy und sein Freund sich Frauenkleider anziehen ist nett und erheiternd und drückt die tendenzielle Zuneigung der Beiden zueinander aus. Dieser Part ist aber irgendwie unpassend und zerstört einen langsam sich aufbauenden Spannungsbogen.
Unserer Meinung nach hätte die Story hinsichtlich der Spannung und Emotionen mehr hergeben müssen, aber stattdessen wurde dies durch relativ einfältige Einlagen immer wieder abgewürgt.
Schade ist auch, dass es kaum musikalische Highlights gibt. „The Mother´s Letter“ und „Electricity“ sind die einzigen melodisch und inhaltlich bewegenden Songs in dem Musical. Des Weiteren wird auch der Kampf um Billys Tanzleidenschaft nicht glaubhaft herübergebracht, sondern eher spontan im Schlußbild des ersten Aktes dargestellt. Irgendwie an der falschen Stelle und aus dem Kontext herausgerissen.
Ein weiterer Song, der einem im Ohr bleibt ist „Merry Christmas Maggie Thatcher“, der den politischen Aspekt der Show darstellt. In Britain hat dies einige Wellen geschlagen, da es als direkten Angriff auf Ex-Prime Minister und Baroness Margret Thatcher gewertet wurde. (Text: Merry Christmas Maggie Thatcher, we celebrate today 'cos it's one day closer to your death)
In der Show, in der wir waren bekam auch Tony Blair sein Fett weg. Es war schließlich der Tag nach der Wahl, die Tony Blair trotz starker Einbußen, gewonnen hat. (Frei übersetzt „Es ist erstaunlich das jemand, der als unpopulärste Person im Land gilt, als Prime Minister gewählt wir… Wie war noch der Name?.. Tony Blair“)
Fazit: Es ist in jedem Fall ein gutes Musical, welches aber unsere Erwartungen nicht ganz erfüllt. Ein weiterer Minuspunkt ist die Sprache, denn in der gesehenen Form werden den Nicht-Briten einige Dinge nicht zugänglich sein. Die Show wird zum absoluten Höchstpreis angeboten, was unserer Meinung nach auch ein entscheidender Faktor dafür sein könnte, ob es ein Erfolg wird. (http://www.billyelliotthemusical.com)
Nach der Show haben wir uns für die Buslinie 148 entschieden. So konnten wir vom Victoria Station über Hyde Park Corner und Marble Arch, entlang der Bayswater Road, bis zu Shepherd’s Bush unsere Lieblingststadt bei Nacht betrachten.
DRITTER TAG Samstag, 06. Mai 2005
Da wir heute Abend für Jekyll&Hyde Karten in Bromley gebucht hatten, haben wird überlegt uns langsam in Richtung Süd-Osten zu bewegen. Zuerst wollten wir aber nach Hackney im Osten um dort einen Markt zu besuchen. Na Ja, den Markt haben wir nicht gefunden, aber beinahe eine Messerstecherei mitbekommen. So toll ist der Osten Londons nun wirklich nicht und deshalb nahmen wir dann den Bus nach Canary Wharf in den Docklands.
Die Passagen der Wolkenkrater und das neue Zentrum um Canada Waters werden immer beliebter und belebter seit die Tube ( Jubilee Line) angebunden ist. Nach einem ausgiebigen Streifzug durch die Gegend sind wir dann durch den Foot Tunnel nach Greenwich gelaufen. Es ist schon etwas beklemmend durch die relativ enge Röhre unter der Themse durch zu gehen und direkt neben der Cutty Sark wieder aufzutauchen.
In Greenwich gibt’s neben dem berühmten Null Meridian, dem Maritim Museum und dem Observatorium (kleiner Sightseeing Hinweis) am Wochenende einen sehr hübschen Markt mit schönen Lädchen und Ständen. Nach einem ausgiebigen Bummel über den Markt und einem kleinen Streifzug durch die Stadt sind wir dann mit Bus nach Lewisham gefahren. Lewisham ist ganz nett und wir haben uns ausgiebig umgeschaut und Paul hat seinen Vorrat an KitKat aufgefüllt. Die gibt’s in London in den verschiedensten Sorten: Normal gibt’s auch in Deutschland, aber in London auch mit Orange, black berries, mint , caramel and mango & passionsfruit (lecker).
Von Lewisham haben wir uns dann zuerst zu Fuß und dann mit dem Bus nach Bromley aufgemacht, wo wir uns für den Abend die Tournee Aufführung von Jekyll & Hyde im Churchill Theater anschauen wollten. Da wir den Rückweg etwas effizienter gestalten wollten, haben wir am Bahnhof Bromley South Zugtickets nach Victoria besorgt, wobei wir natürlich unsere Visitor TravelCards (Zone 1-2) anrechnen ließen.
Da wir noch ein bisschen Zeit hatte, haben wir uns noch zu einem Pint of Carling in einem der urigen Pup's niedergelassen und sind dann zum Theater gegangen.
Das Churchill Theater ist uns bereits bestens bekannt, denn wir hatten hier bereits die Tourneeaufführungen von „Whistle Down The Wind“ und „The Rocky Horror Show“ gesehen. Eine Jekyll & Hyde Produktion in Britain war nun etwas besonderes, denn wir haben diese Show zwar bereits in Bremen, Wien und New York gesehen, aber sie wurde bislang noch nicht in London aufgeführt..
JEKYLL & HYDE (Churchill Theatre, Bromley)
( http://www.jekyll-hyde.com/stagings/uktour.shtml )
Nun waren wir sehr gespannt und
erwarteten natürlich nicht die hoch moderne Bühnentechnik wie in Bremen oder
Wien, sondern dachten es wir eher wie in New York gespielt. Und so war es auch,
oder zumindest so ähnlich, da es sich die Kulisse eher noch nüchterner zeigte
als erwartet. Nun ja, es ist eben eine Tourneeproduktion und dafür war es in Ordnung.
Wir möchten jetzt hier nicht die wohlbekannte Story von Jekyll & Hyde beschreiben, sondern eher auf die direkten Besonderheiten dieser Tournee aufmerksam machen. Zum einen ist hier der Hauptdarsteller (Jekyll) zu nennen. Wie bereits bei Rocky, hatte man wieder eine TV-Star engagiert, der unserer Meinung nach besser im TV geblieben wäre. Paul Nicholas konnte weder einen halbwegs passablen Gesang, noch ein überzeugendes Play vorstellen. Wir haben noch nie so eine schlechte „Confrontation“ erlebt, wie in dieser Inszenierung.
Entschädigt wurde man aber durch die Mädels (Lisa: Shona Lindsay; Lucy:Louise Dearman). Die waren in jeder Hinsicht klasse! Grundsätzlich mussten wir feststellen, dass alle Damen der Aufführung beeindruckende Stimmen hatten und diese auch einzeln zum Einsatz kamen. So wurde das Lied „Girl of the Night“ eines der hervorzuhebenden Stücke. Ansonsten gab es im Vergleich zu der Bremer bzw. Wiener Inszenierung einige Verschiebungen in der Gewichtung der Rollen. So sind z.B. Spider und die „Puff-Mutter“ eher unscheinbare Statisten. Im Gegenzug werden die Eifersucht und der Hass von Simon Stride, der Lisa begehrt, deutlich dramatischer nach vorne getragen.
Alles in allem war es sehr nett
und durchaus interessant das Musical einmal in der britischen Version gesehen
zu haben. In jedem Fall war es nicht das was wir erwartet hatten, weil diese
Inszenierung doch deutliche Schwächen hatte, die es auch in einer Tournee
Produktion nicht geben muss.
Sollte die Show irgendwann in das West End einziehen, was u.E nicht ausgeschlossen ist, werden hoffentlich noch einige Verbesserungen erfolgen. Vorbilder gibt es ja schließlich genug!
Nach der Show sind wir direkt zu Bahnhof Bromley South und mit dem ersten Direktzug in nur 20 Min. nach Victoria Station gefahren. Von dort aus haben wir und wieder auf den Bus Linie 148 verlassen und waren dann gegen Mitternacht in Hotel. Es war ein schöner aber auch etwas anstrengenden Tag und wir sind dann auch schnell eingeschlafen.
LETZER TAG Sonntag, 07. Mai 2005
Nun war es wieder soweit. Wir mussten packen und auschecken. Aber wir hatten noch fast den ganzen Tag zu Verfügung, da unser Rückflug erst um 20:45h angesetzt war.
Wir sind den ganzen Tag gemütlich durch die Stadt gelaufen. Unsere Route ging von Shepherd’ Bush in Richtung Hammersmith und Chelsea. Dabei haben wir den Brompton Cemetery (http://www.royalparks.gov.uk/parks/brompton_cemetery/about.cfm) durchquert. In Chelsea sind wir entlang der Kings Road mit seinen vielen Geschäften in Richtung Knightsbridge gezogen. Übrigens gibt es in der Kings Road bei Wittard’s of Celsea ein sehr ausgiebiges Sortiment von Lind Schokolade und erstklassigen Teas.
Von Knightsbridge gingen wir immer weiter in Richtung City bis wir schließlich in der Oxford Street waren.
Nun ja, dann wurde es aber Zeit die Koffer zu holen und zum Flughafen zu fahren. Mit der Central Line bis Liverpool Street Station und dann mit dem Stansted Express zum Airport.
Der Flug mit Air Berlin war wieder sehr pünktlich und angenehm. Aber dies konnte uns nicht darüber hinweg trösten, dass dieser Kurztrip mal wieder viiiiiel zu kurz war.
Viele liebe Grüße
Pia & Paul