Halle an der Saale

 


-- Eine  eiskalter Bericht --

( The Scarlet Pimpernel)

 

 

 

Freitag, 14. Februar. 2003

 

 

Alles begann wie immer bei uns mit einem totalen Chaos :-).

 

JoschiFast wäre der ganze Ausflug nach Halle ins Wasser bzw. ins Heizöl gefallen, und das kam so:

Vampy kam Freitagmittags nach Hause und merkte, dass die Wohnung etwas kühl war. Gut, wir hatten –12 Grad, also Heizung hoch drehen.. Das Pech war bloß, dass keine Wärme kam *seufz*. Nach einem Blick in den Heizungskeller wusste sie auch wieso, der Keller stand zentimeterhoch unter Heizöl. Notdienst angerufen, natürlich war keiner da, noch mal angerufen, endlich jemand am Telefon, aber die Monteure hatten schon alle Feierabend. Durch unermüdliches rumtelefonieren und nerven bekam Vampy dann endlich einen Monteur an die Strippe und dann auch in den Keller. Der guckte sich die Bescherung an und sagt: „ Da kann ich heute nichts mehr machen...“.  OH NEIN, und das wo wir Samstags nach Halle wollten.

 

Nach einem eindringlichen Blick auf den Monteur vertraute Vampy ihm den Hausschlüssel an, damit er Samstags auch ohne uns die Heizung reparieren kann. Gleichzeitig fasste sie den Spontanentschluss, dass wir schon Freitags losfahren und unterwegs ein Hotel suchen. So kam es, das Max beim nach hause kommen eine fertig gepackte Tasche und eine abreisebereite Vampy vorfand. Nun hatten wir nur noch ein Problem: Joschi. Der Kater hatte sich in dem ganzen Heizungsgetümmel davon gemacht und ward nicht mehr gesehen. Also sind wir los, Joschi suchen, denn wir konnten ihn ja schlecht das ganze Wochenende draussen lassen. Er hatte sich allerdings unsichtbar gemacht, und war auch nach mehreren Patrouillen nicht aufzufinden. Da half nur eins: Warten *seufz*.

 

 

Eiskalte EifelBei dem ganzen Gewarte verlor Vampy zwischenzeitlich die Nerven und zog sich mit Wärmflasche und zehn zusätzlichen Decken bewaffnet ins Bett zurück. Der arme Max musste dann noch bis 0:00 Uhr in dicker Jacke und Stiefeln auf den Kater warten, aber er hatte schließlich nicht schon mittags gefroren ;-).

Als Joschi kam, war es natürlich zu spät zum Starten, deshalb kroch Max auch in das angewärmte Bett und so bibberten wir dem Morgen entgegen.

 

 

Samstag, 15. Februar. 2003

 

 

Oper in HalleWir waren Samstags auch sehr früh wach, und nach ner Katzenwäsche und nem heissen Tee verließen wir das ungastliche Haus schnell gen Osten.  Wegen der frühen Stunde waren die Autobahnen frei, und so waren wir nach einigen Zwischenstopps sehr schnell in Halle. Jetzt hieß es nur noch Hotel suchen. Unser Hotel hieß „Am Steintor“ und seltsamerweise war das Steintor überall ausgeschildert. Aber wo war das Hotel ? Dazu muss man sagen, dass die Stadtväter von Halle wohl einmal zu oft hier geschrieen haben, als es um das Verteilen von Einbahnstrassenschildern ging. So mussten wir zehn mal im Kreis fahren, bis wir das Hotel endlich in einer versteckten Seitenstrasse fanden. Nun aber schnell einchecken und rauf auf`s Zimmer, aber was war das ?? Das Zimmer war eisig kalt *lautesseufzen*. Das war ja nun wirklich das letzte, was wir an dem Wochenende gebrauchen konnten, deshalb haben wir uns auch sofort an der Rezeption beschwert; aber obwohl die Heizung nachher etwas Wärme abgab, wurde es in dem Zimmer nie wirklich kuschelig warm.

 

Wir wollten aber ja noch etwas von Halle sehen und mussten auch noch die Oper suchen. Also machten wir uns über die ungeräumten, spiegelglatten Bürgersteige auf in Richtung Stadt. Falls mal wer nach Halle möchte, können wir nur empfehlen, nicht aus Richtung Bahnhof in die Stadt zu gehen. Wir haben es leider gemacht, und wären am liebsten nach 300 Metern wieder umgekehrt. Die Fussgängerzone ist in Bahnhofsnähe unterstes Level, ein Ramschladen löst den Nächsten ab, und zwischendurch gibt es noch ein paar mit Brettern vernagelte Restaurants und Geschäfte, also wirklich kein schöner Anblick. Wenn man dann tapfer weiter in Stadtmitte geht, wird es besser, aber irgendwie wird man den ersten Eindruck nicht los.

 

Aufgrund der Tatsache, dass die meisten Restaurants zugenagelt waren, fingen wir langsam an, uns Sorgen zu machen, ob wir nicht verhungern würden. Zur Vorsicht hatten wir uns schon mal eine Tankstelle gemerkt, an der es wenigstens Knabberzeugs gab, aber unsere Bedenken lösten sich glücklicherweise in Luft auf. Direkt neben der Oper fanden wir einen Griechen, der sogar auf hatte, und als Krönung noch sehr lecker war.

So gesättigt und gut gelaunt nahmen wir unsere Plätze in der zweiten Reihe ein. Und schon gings los mit dem scharlachroten Blümchen :-)))

 

 

 

THE SCARLET PIMPERNEL

 

Da, wo andere verzagen,
Muss einer etwas wagen
Und aufstehn!
Wenn die Welt erschauert, wisst ihr:
Bei Gott! Nun gerade müsst ihr
Vorangehn!
Haltet nie einen Augenblick inne.
Haltet nie euren Mut für zu klein.
Haltet eisern das Steuer
Bis mitten ins Feuer hinein!”

Die durchgängig, schlüssige und sehr detaillierte Story spielt in der Zeit kurz nach der französischen Revolution. Robespierre lässt die Guillotinen im Akkord arbeiten. Vor alle die Aristokraten werden vorsichtshalber erst einmal einem Kopf kürzer gemacht. In dieser Zeit treibt sich der junge adlige Engländer Percy in Frankreich herum, um seine Verlobte Marguerite nach England zu holen und dort zu heiraten. Marguerite hatte vor Percy allerdings ein Verhältnis mit Chauvelin, der im Auftrag von Robespierre den Guillotinen Nachschub besorgt. Und damit er sie und Percy in Ruhe lässt, verrät Marguerite das geheime Versteck adliger Freunde von Percy. Chauvelin verspricht, dass diese nicht hingerichtet werden, aber dass kommt irgendwie nicht glaubhaft rüber. In England erfährt Sir Percy an seinem Hochzeitstag, dass seine Freunde getötet wurden und durch eine List erfährt er dann das Marguerite daran Schuld ist. Aber er liebt seine Frau trotzdem über alles.

 

Nun hat Percy den Kaffee auf und beschließt zusammen mit seinen Freunden einen Geheimbund zu gründen. Dieser Bund hat sich zur Aufgabe gemacht die Menschen, die in Frankreich verfolgt werden vor der Guillotine zu retten und nach England zu schaffen. Zu Hause spielen die Freunde versnobte Dandies, die so heldenhaften Aktivitäten wie Schmetterlingsjagd etc. frönen. In Frankreich verkleiden Sie sich und arbeiten mit List und Degen. Als Markenzeichen hinterlässt Percy ein Ackergauchheil (Pflanze: „Scarlet Pimpernel“)

 

Darius MersteinDer Bund des Scarlet Pimpernel ist mächtig erfolgreich  und wird berühmt und Robespierre setzt alles daran den Pimpernel zu fangen. In England wir er als Held gefeiert, obgleich keiner weiß wer er ist. Alle fragen sich „Wer ist der Scarlet Pimpernel ?“ Keiner vermutet, dass der langweilige Percy der gerissene Held ist, der halb Frankreich in Atem hält. Robespierre engagiert deshalb einen Meisterspion, der den Pimpernel aufspüren und der den unter Druck geratenen Chauvelin unterstützen soll. Nun geschieht dennoch ein Unglück, denn Armand, Marguerites Bruder (auch zum Pimpernel gehörend), wird gefangen genommen.

 

 

 

Christopher MurrayChauvelin erpresst Marguerite erneut und sie soll den Pimpernel in eine Falle locken. Das gelingt aber nicht, weil Percy immer einen Schritt voraus ist und Marguerite auch nicht so richtig mitspielt.  Marguerite reist nun selbst nach Frankreich um ihren Bruder zu retten. In dem Lokal, in dem Sie früher aufgetreten war, trifft sie einen Gefängniswärter um jenen zu bestechen. Der Plan scheitert und Marguerite wird von ihrem Ex (Chauvelin) gefangen genommen und soll nun ihren Bruder zum reden bringen... sonst erfolgt die übliche Behandlung :-( . In der Zelle schweigt Armand beharrlich bis er sich dennoch verplappert und der Schwester mitteilt, dass Percy ihnen helfen wird. Nun kommen die Wärter und bei der Überführung aus der Zelle werden die Wachen überfallen und Armand und Marguerite können fliehen. Böse Falle! denn die Bereifung war von Chauvelin und dem Meisterspion initiiert, damit die beiden ihn zum Pimpernel führen. Der Meisterspion und Chauvelin folgen den beiden bis zur Küste, wo der Treffpunkt der Pimpernels ist und von wo sie nach Britannien abhauen können. Aber Chauvelin und seine Schergen sind schon da und fassen die beiden. Nur wo ist der Pimpernel ?

 

Zoltán TomborChauvelin ist sich sicher den Pimpernel jetzt zu fassen und der Meisterspion gibt den Wachen eine Nachricht mit der sie zu Robespierre losziehen. Plötzlich entdeckt Chauvelin, dass er getäuscht wurde, denn der Meisterspion trägt den Ring des Pimpernels und tatsächlich es ist Percy ! Nach einem kurzen Degengeklimper wird Percy überwältigt und auf die schon bereitstehende Guillotinen gelegt. Zack! Das Fallbeil fällt, der Kopf auch, aber plötzlich steht Percy wieder unversehrt da. Es war ein toller Trick, denn Madame Tussaud (wurde auch von Pimpernel gerettet) hat einen Wachskopf gefertigt, der in die Guillotine gelegt wurde. Dies war nur möglich, weil sich nun herausstellt, dass die verbliebenen Wachen Percys Weggefährten sind und Chauvelin ganz alleine ist.

 

Nun verkündet Percy, dass in der Nachricht an Robespierre Chauvelin als  Pimpernel entlarvt wird und jetzt die halbe französische Revolution hinter ihm her sein wird. Nach erstem Entsetzen überlegt Chauvelin die Vorteile, denn der Pimpernel ist schließlich ein Held, zumindest in England. Und Percy und Kumpanen müssen auf den Ruhm verzichten. Das kann Percy verschmerzen, den nun hat er wieder seine Marguerite, die er immer noch sehr liebt. - HAPPY END-

 

Chris Murry; Ann Elverum; Darius MersteinBoah, war das ´ne Story mit Mantel und Degen. Darius Meerstein in der Rolle des Percy war eine Pracht, wobei das ein oder andere mal ein bisschen Jekyll & Hyde durchkam. Insgesamt muss man das Ensemble als sehr gut besetzt bezeichnen. Vor allem wenn man bedenkt, dass von allen eine anspruchvolle schauspielerische und gesangliche Leistung gefordert war. Tanz- und Einzelszenen, wie z.B. in Gaudi, gab es keine. Das Stück wird als zusammenhängende Geschichte gespielt. Das Set war für eine temporäre Theateraufführung sehr professionell und hätte u.E. mit einer Ensuite-Produktion durchaus konkurrieren können. Wer uns noch besonders auffiel war Christopher Murray als Chauvelin. Er spielte die Rolle äusserst glaubwürdig und mit Herzblut. Ein bisschen erinnerte er uns an den Javert von LesMis, er gab einen sehr faszinierenden „Bösen“ und hatte auch noch das, unserer Meinung nach, schönste Lied der Produktion:  „Falcon in the dive“, welches er bravourös rüber brachte. Die Lieder waren übrigens alle sehr schön, und es gab hübsche Solos und Duette, und einige Balladen blieben auch länger im Ohr.

 

Was uns ein bisschen frustriert ist, dass dieses Stück in Halle an der Saale aufgeführt wird :-). Also für uns und viele Musical-Fans etwas ab vom Schuss.

 

 

Sonntag, 16. Februar. 2003

 

Naumburg a.d. SaaleAm nächsten Morgen machten wir uns gleich nach dem Frühstück auf nach Naumburg. Dort schauten wir uns zuerst den mittelalterlichen Stadtkern an, bis wir auf dem Marktplatz auf das Bürgerhaus „Hohe Lilie“ gestoßen sind, das zu einem Museum umgebaut wurde. In diesem Museum wird heute sehr anschaulich die Naumburger Stadtgeschichte dargestellt. Auf diese Weise „vorgebildet“ machten wir uns dann auf den Weg zu Naumburgs Wahrzeichen, dem Dom. Wer Kreuzworträtsel kennt, kennt die Frage: „Naumburger Domfigur mit drei Buchstaben ?“ Na ?? Natürlich Uta. Die hat nämlich im 13. Jahrhundert zusammen mit ihrem Mann Ekkehard und noch anderen den Naumburger Dom gestiftet. Wir konnten uns die ganze Pracht nur von außen ansehen, da der Dom noch geschlossen war, aber wir haben uns fest vorgenommen, bei wärmerem Wetter noch mal einen Abstecher nach Naumburg zu machen, weil uns die Stadt mit ihrem schön restaurierten Flair sehr gefallen hat.

 

Da wir noch ein wenig Zeit hatten, und noch gerne etwas sehen wollten, machten wir uns dann auf nach Weimar. Inzwischen hatte es kräftig zu schneien begonnen, so das wir ein sehr winterliches Weimar vorfanden.

 

FürstengruftEs machte uns richtig Spaß die Stadt zu erwandern und wir entschlossen uns dann auch zur Fürstengruft zu pilgern. Ja Super :-( , wir hatten es mal wieder geschafft gerade außerhalb der  Öffnungszeiten anzukommen *seufz*. Aber wir hatten doch noch einen Eingang entdeckt, der aber nicht in die Gruft führte, sondern zu unserm Erstaunen in eine winzige russisch-orthodoxe Kapelle. Da wir so überhaupt kein russisch können haben wir diese aber auch bald wieder verlassen :-))). Am Markt mit vielen historischen Gebäuden sind wir dann in das Ginko-Museum gegangen. Dort wurden wir erst einmal mit einem heißen Tee und einem Stempel auf die Hand in den Kreis der Ginkgo-Jünger aufgenommen, und dann durften wir besichtigen ;-). Im Grunde ist es kein richtiges Museum, sondern eher ein Laden, der alles mögliche aus dieser Pflanze anbietet. Sogar Goethe soll sich das Zeug rein gepfiffen und die Anwendung dieser Wunderpflanze unterstützt haben.  Nach dem Tee war uns dann warm und wir nutzen die Gelegenheit, um uns im Marktcafe ein großes Eis zu genehmigen *g*, passte irgendwie zum Wetter ;-)).

 

Auch Weimar ist wunderschön und es gibt viel zu sehen. Die eisige Kälte hat uns doch dazu gebracht von einem längeren Aufenthalt abzusehen. Eigentlich Schade :-(, aber wir kommen wieder :-))).

 

Dann war es auch schon wieder Zeit, um sich auf den Heimweg zu begeben, der auch Problemlos verlief. Zuhause wartete unser Joschi schon am Fenster unserer, zum Glück, inzwischen wieder, gemütlich warmen Wohnung, so das wir das Wochenende noch ganz happy abschließen konnten :-))).

 

 

Viele liebe Grüße

Vampy und Max