Freitag 24.Jan.2003: Anreise

 

 

Mann! War das wieder eine komplizierte Anreise bis Max und Vampy in Dresden waren, denn Vampy wollte eigentlich mit dem Zug nach Essen kommen um dann zusammen mit Max in Richtung Osten zu starten. Aber es kam anders, weil der Zug einfach nicht auf Vampy warten wollte. Irgendwie war er in Gerolstein weg, und Vampy kam auf die glorreiche Idee, ihn in Euskirchen noch zu erwischen, das hätte auch geklappt, wenn es dort Parkplätze gegeben hätte, also weiter nach Weilerswist, dort war der Zug allerdings wieder weg, weil Vampy ja in Euskirchen so lange Parkplatz gesucht hat....

 

Leicht genervt beschloss Vampy daher, auf die Bahn zu pfeifen, und bis nach Bad Hersfeld mit dem Auto zu fahren. Max wurde dann gleichzeitig von Essen aus in Bewegung gesetzt, so das wir uns ungefähr zeitgleich in Bad Hersfeld trafen. Vorher hat Vampy noch fast ganz aus versehen einen Trabi platt gefahren, aber wie konnte sie denn wissen, das die mit 50 kmh über die Autobahn „brettern“ dürfen ??

Ab Bad Hersfeld ist ja dann Max gefahren, und somit waren die restlichen Trabis ziemlich sicher ;-).

 

Nach 6 Std. mühsamer Fahrt im Freitagverkehr haben wir dann gegen 22:30h im Dorint Hotel eingecheckt. Das Hotel können wir nur empfehlen  denn Preis/Leistung stimmen. Auch wenn der Preis für 2 Pers. Im Doppelzimmer  mit  80 € (über http://www.hrs.de)  nicht gerade billig ist, hat es sich doch gelohnt. Positiv zu erwähnen ist die zuvorkommende Freundlichkeit der Sachsen, die uns durch das Wochenende begleitete. Bei unserm letzten Ost-Ausflug nach Berlin und in den Spreewald hatten wir eher negative Erfahrungen gemacht.  Offensichtlich hatte sich das herumgesprochen, dass Max und Vampy wieder nach Sachsen kommen und eine Entschädigung verdient haben :-)))).

 

 

An diesem Freitag hatten wir nicht mehr viel von Dresden mitbekommen, weil wir sehr schnell totmüde ins Bett sind. Schließlich wollten wir am Samstag fit sein und uns die Stadt genauer anschauen.

 

 

 

Samstag 25.Jan.2003: Shopping / The Beautiful Game

 

Ei, verbibbsch *ggg* , schon 9:00h, beinahe verschlafen; Jetzt aber hurtig, sonst kann Max sein Frühstück vergessen :-)))) Und das wäre bei dem herrlichen Frühstücksbuffet wirklich Verschwendung gewesen (Max). Man durfte natürlich nicht rauchen, also Punktabzug *grmpf* (Vampy).

 

Halb Schloss / Halb Ruine Nach dem Frühstück, sind wir dann los und erst mal in Richtung Altstadt marschiert. Da Dresden, wie jede Großstadt, auch eine Vielzahl von Konsumtempeln besitzt ließ es sich nicht vermeiden, dass wir das ein oder andere Teil käuflich erwerben konnten. Max musste dann zwischendurch mal kurz ins Hotel um sich der vielen Einkaufstüten zu entledigen. Als wir dann am IBIS Hotel vorbei kamen, waren wir heilfroh, dass wir im Dorint abgestiegen sind. An dem Plattenbau des IBIS hat offensichtlich Erich noch selbst mitgebaut :-)

 

 

 

Wir sind dann weiter am Schloss vorbei in Richtung Neustadt gewandert. Das Schloss ist riesig und erfreulicherweise größtenteils restauriert. Es befinden sich immer noch Teile im Bau, wobei der Kontrast einer wunderschönen Fassade direkt neben einer Teilruine schon sehr beeindruckend ist. Um das Schloss herum tummeln sich weitere berühmte Gebäude ( Semper Oper, Zwinger und Frauenkirche) die wir uns am Sonntag mal genauer anschauen wollten. Jetzt ging’s erst mal darum die Elbe zu überqueren und in das Szene-Viertel zur Kunsthofpassage zu gelangen.

 

 

Kunsthof PassageMax wurde mal wieder vom Hunger übermannt, und musste sich schnell nen Döner besorgen, an der Bude bekamen wir zu Max` Döner beide einen total giftgrünen, leckeren Apfeltee, das war bei den Temperaturen genau das Richtige. So eine Dönerbude würden wir uns hier auch wünschen.

 

Nun aber los, zum Neustadt erkunden. Zuerst sind wir die Hauptstrasse hoch, und entdeckten noch eine tolle Markthalle, dann stürzten wir uns in das Szeneviertel, und fanden den Kunsthof sogar recht schnell. Das tolle daran, ist das jedes Haus dieser Passage anders gestaltet ist, und man in jedem Hof etwas Neues entdeckt. Die kleinen Läden bieten Kunsthandwerk und Malereien an und es gibt auch einen Hippie-Shop, in dem wir allerdings nicht so recht fündig wurden ;-).

 

Nachher sind wir noch die Königsstrasse runter, die durch ihre schön restaurierten barocken Häuser richtig edel aussieht.

 

Irgendwie wurden wir dann fussmüde, und sind ab zum Hotel. In der Hotelinfo hatten wir zuhause gelesen, dass es einen Wellness-Bereich mit Schwimmbad gibt, und haben vorsorglich unsere Badesachen eingepackt. Da wir noch ein wenig Zeit hatten, begaben wir uns also in den Keller. Das Schwimmbad war eher ein Planschbecken, aber da wir schon mal umgezogen waren, sind wir schnell hineingehüpft. Nachdem wir 5 Minuten herumgeplanscht hatten, packte Vampy Max auf einmal am Arm, und flüstert ihm zu: „ Du, hast Du schon gemerkt, dass wir hier die einzigen sind, die was anhaben ?“ Max hatte das natürlich nicht gemerkt, aber nach einem kurzen Rundblick auf die anderen Badegäste, war auch er überzeugt *griiins*.

Was nun ?? Nee ausziehen wollten wir uns dann nicht mehr, aber als Spanner wollten wir ja auch nicht unbedingt gelten. Deshalb haben wir uns für den diskreten Rückzug entschieden, und sind prustend in unser Zimmer, wo wir uns dann vorstellten, wie z.B. ein Amerikaner in unserer Situation reagiert hätte.... *gröhl*.

 

So langsam wurde es dann auch Zeit, uns für den Abend fertig zu machen, da wir die etwas außerhalb gelegene Staatsoperette ja noch suchen mussten. Dank Stadtplan waren wir recht früh da, und konnten noch im Theatercafe einkehren, das zwar „Fledermaus“ heisst, aber leider kein bisschen gruftig ist :-). Dann war es aber höchste Zeit, das Theater zu entern und unsere Plätze in Reihe 3/Mitte einzunehmen.

 

 

THE BEAUTIFUL GAME

 

The Beautiful Game PosterWir hatten die Show ja bereits dreimal in London gesehen und waren deshalb sehr gespannt wie dies in Germany ankommt bzw. wie sich die Inszenierungen unterscheiden. Das die Show als das „ultimative Fussball-Musical“ angepriesen wurde hat uns doch etwas irritiert, weil Fußball eigentlich nur den Rahmen um die Story im Nordirland-Konflikt bildet. Wir waren auf alles gefasst, und hofften nur, dass die Lieder nicht in sächsisch gesungen würden *gg*

 

Die Songs und Dialoge wurden in Deutsch vorgetragen, wobei es doch einige kleinere Abweichungen zum Original gab, die allerdings inhaltlich keine Veränderung bewirkten. Das karge Bühnenbild war dem Londoner nachempfunden und unterstrich die allgegenwärtige Bedrohung durch den Konflikt. Etwas störend fanden wir die sehr ausgedehnten Fussball-Tanzszenen, zumal diese nicht gerade besonders originell waren und irgendwie and Riverdance erinnerten *ggg*. Das Original glänzte mit eigenwilligen, aber exzellenten Tänzen, welche aus Kickerbewegungen zusammengestellt waren. Insgesamt war unserer Meinung nach die Choreographie eher durchschnittlich.

 

Wer Andrew Lloyd Webber kennt, denkt meist an Cats, Starlight oder Phantom. Aber hier zeigt Webber, das er auch anders kann und hält der englischen und irischen Politik bzw. dem ideologischen Wahnsinn denn Spiegel vor. In London konnten wir häufig betroffene Gesichter und nervöses Grummeln beobachten. Schließlich gehört der Nordirland „Bürgerkrieg“ zum Alltag in England. Daran wird man jedes mal erinnert, wenn wieder eine Bombe in der U-Bahn gefunden wird. :-((((

 

 

Aber nun zur Story, die packend, tragisch und dennoch realistisch ist:

 John & Mary

Im Jahr 1969 ist Pater O´Donnell  Trainer einer Fußballmannschaft  in Belfast, die, bis auf Del, einem Protestanten, aus einer katholischen Jugendlichen besteht. Egal wie hart oder fair ein Match sein mag, dass Motto ist „Das Gute Spiel (The Beautiful Game)“. Bereits in dieser Gruppe unterschiedlicher Typen kommt der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten zum Ausdruck, wobei dies vor allem durch Thomas geschürt wird. Weitere Teammitglieder sind Ginger, der sanftmütige und schüchterne, der durch seine Körperfülle den Gegner einschüchtern soll, weil er ansonsten keine besondern Fußballtechnischen Fähigkeiten besitzt. Daniel ist das schwarze Schaf des Teams, aber ein guter Spieler.

 

Thomas Freund John ist der Sunnyboy und will eigentlich gar nix mit den ganzen Konflikten zu tun haben, sondern interessiert sich für Mary und beide verlieben sich. John und Mary stehen im Mittelpunkt der Story, weil vor allem John mit allen Spielern und auch mit Del befreundet ist.

 

Obwohl John eisern auf eine  Karriere als Profispieler hinarbeitet, gelingt es Mary ihn an sich zu binden. Er lässt sogar seine Kumpels alleine um mit Mary zu einer Demo für ein freies republikanisches Irland zu gehen.

 

Thomas gelingt es Del aus der Mannschaft zu werfen, er begründet es mit Übergriffen der IRA.

Die Fronten sind seit Jahrhunderten verhärtet, wobei offensichtlich keine Seite genau weiß wieso der Hass derart eskaliert ist. Aber Gewalt erzeugt Gegengewalt wieder Gegengewalt...etc. Einzig der protestantische Del und seine katholische Freundin Christine wollen den Konflikt nicht wahr haben und denken nur an Ihre Liebe und das Glück. Aber das Umfeld akzeptiert dies nicht und die beiden stehen permanent unter dem Druck ihres sozialen Umfeldes.

 

Dann kommt das grosse Finalspiel, und natürlich gewinnen die Jungs von Pater O`Donnell. Bei der Siegesfeier verlieben sich Ginger und Bernadette, Del kommt zum gratulieren und wird wieder von Thomas angefeindet.

Auf dem Weg nach Hause wird Ginger von Protestanten getötet. Die letzte Szene vor der Pause ist seine Beerdigung.

 

Schluss-Applaus John & MaryMary und John heiraten, und mitten in der Hochzeitsnacht kommt ein Anruf von Thomas, das John ihm helfen soll. John rennt sofort los, und bringt ihn zur Grenze, weil Thomas wegen IRA-Tätigkeiten gesucht wird.

Beim nachfolgenden Auswahlspiel für eine Liverpooler Mannschaft, wird John vom Feld gerufen und verhaftet, wegen Unterstützung eines IRA Mitgliedes.

 

Del und Christine halten den Druck nicht mehr aus, und beschliessen, auch weil sie inzwischen ein Kind haben, nach Amerika auszuwandern.

 

John sitzt im Gefängnis, und Mary bekommt den gemeinsamen Sohn Sean. Als Daniel zu Besuch kommt, stürmt Thomas zusammen mit zwei Kumpels die Wohnung, und sie schiessen Daniel ins Knie, weil er angeblich ein Verräter ist.

 

Als John aus der Haft entlassen wird, sucht er Thomas und stellt ihn zur Rede. Es eskaliert, und John erschiesst Thomas. John ist im Gefängnis zum IRA Streiter geworden, und hat nun die Aufgabe, in London zu kämpfen. Nach einem herzzerreissenden Abschied von Mary geht er...

 

Mary sitzt da, und sieht, was aus dem Leben der Freunde von 1969 geworden ist, und sie hat nur einen Wunsch: Das ihr Sohn einmal besser spielt, als sie....

 

 

Die Leistungen der Darsteller waren durchwachsen, wie es bei einer kleinen Produktion zu erwarten war. Uns fällt es auch immer schwer, uns an die ausgebildeten Opernstimmen zu gewöhnen, die dann plötzlich Musical singen.

 

Besonders gefallen haben uns:  Marcus Günzel, der einen sehr guten John abgab; Michael Seeboth, der derSchluss-Applaus Ensemble Rolle des Del ganz neue Dimensionen gab; und Judith C. Jakob, die „Our kind of love“ (den deutschen Titel konnten wir uns nicht merken) wirklich überragend sang.

Irgendwie hängen wir ja doch noch an der Originalproduktion, aber trotzdem hat sich der weite Weg für uns absolut gelohnt. Es war einfach schön, die vertrauten Lieder einmal in deutsch zu hören, und das tolle Stück noch einmal auf einer Bühne zu sehen. Falls wir es irgendwie schaffen, wollen wir versuchen noch einmal nach Dresden zu fahren.

 

Nach der Show sind wir dann zurück zum Hotel, und da es urplötzlich ziemlich gefroren hat, hatten wir nicht viel Lust noch in die Stadt zu gehen. Also verbrachten wir den Restabend im Hotelrestaurant, und in der Bar, bis wir müde in die Betten fielen.

 

 

Sonntag 26 .Jan.2003: Dresden / Abreise

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FrauenkircheMal wieder früh aufstehen, packen und Frühstücken, denn heute war Kultur angesagt ;-).

Zuerst mal sind wir zur Frauenkirche, die inzwischen schon ganz schön weit wiederaufgebaut ist. Für uns „Wessies“ bleibt es wohl immer ein Rätsel, wie die Dresdener es geschafft haben, die Trümmer über 50 Jahre einfach liegen zu lassen. Aber es ist auch ein Glück, sonst wären wohl viele schöne Bauwerke für immer verloren.

Dann sind wir auf der Brühlschen Terrasse die Elbe entlang, an der Hochschule für Bildende Künste, und dem Albertinum vorbei, bis zur neuen Synagoge. Die Synagoge ist nach den vielen tollen Bauwerken ein kultureller Schreck, deshalb sind wir da auch wieder umgekehrt, und zur Semperoper zurück.

Inzwischen hatte Max es irgendwie geschafft, sich bis zu den Knien mit Matsch einzuferkeln, und er musste kurz ins Hotel, die Hose wechseln.

Nein, es lag nicht am Hochwasser !! ;-)) Übrigens war von dem Jahrhunderthochwasser nichts mehr zu sehen, also kein Grund, nicht nach Dresden zu reisen.

 Zwinger

Als Max wieder salonfähig war, sind wir dann zum alten katholischen Friedhof, der sehenswert sein soll. Wir fanden ihn, ehrlich gesagt, nicht so sehenswert, irgendwie fehlt dort das Flair.

Also wieder in Richtung Altstadt, wo wir uns den Zwinger, der übrigens früher eine Festung (Zwingburg, daher der Name) war, genauer ansahen.

 

 

 

Semper OperInzwischen war es dann auch schon Nachmittag, und wir mussten uns leider auf den Heimweg machen. Der verlief total unkompliziert, ganz ohne Stau, und wir haben noch nicht mal Vampys Auto in Bad Hersfeld vergessen ;-). Als wir in die Eifel kamen, wurden wir mit Schnee begrüsst, Heimat, Du hast uns wieder :-)))).

 

 

Viele liebe Grüße

 

Vampy & Max